Zukunft
sozial gestalten –
Herausforderungen
für eine solidarische Gesellschaft
Die
Sozialdemokratie steht zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor der nicht
minderschweren Aufgabe, die Fragen zur Entwicklung des Sozialen, der
Ökologie und der Ökonomie so zu beantworten, dass sie
künftigen Generationen noch Handlungsspielräume belässt.
Gleichzeitig muss sie aber der heutigen Generation
Zukunftsperspektiven zum Aufbau einer solidarischen Gesellschaft
eröffnen.
Die
Grundsätze sind dabei im letzten Herbst durch die Verabschiedung
des Hamburger Programms gesetzt worden. Es ist nun Aufgabe der
Sozialdemokratie, diese Grundsätze in politisches Handeln
umzusetzen.
Dabei
ist zu konstatieren, dass die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts auch
weiterhin eine Gesellschaft der lohnabhängig Beschäftigten
sein wird. Es ist historischer Auftrag der Sozialdemokratie dieser
tragenden Säule der Gesellschaft klare Perspektiven aufzuzeigen,
wie die Arbeitswelt des neuen Jahrtausends zu gestalten ist. Hierbei
erfüllt die Sozialdemokratie in Deutschland eine Vorbildfunktion
für das europäische Sozialstaatsmodell.
Primat
der Gerechtigkeit
Von
einem sozialdemokratischen Wahl - und Regierungsprogramm erwarten die
Menschen in diesem Lande das Primat der Gerechtigkeit bezogen auf das
Arbeitsverhältnis und die Lohngestaltung.
Wir
fordern daher den Parteivorstand auf dafür Sorge zu tragen, dass
nachfolgende Positionen unverrückbare Bestandteile des
Wahlprogrammes der SPD für die Bundestagswahl 2009 werden. Das
gilt im Besonderen in einer Regierungsbildung unter
sozialdemokratischer Verantwortung.
Für
die SPD heißt das konkret:
von
mindestens 7,50 €/Stunde.
-
Beschränkung von Leiharbeit und Abschaffung
der Befristung ohne Sachgrund.
-
Gleiche Rechte für Leiharbeiterlnnen wie sie
für die Stammbelegschaft bestehen.
-
Begrenzung der Höchststundenzahl im Rahmen
eines Minijobs auf 15 Stunden/Woche.
-
Einbeziehung aller
Beschäftigungsverhältnisse oberhalb einer Bagatellgrenze in
die Sozialversicherungspflicht.
-
Gesetzliche Regelung für
Praktikanten/Praktikantinnen.
-
Umwandlung der 1-Euro-Jobs in
sozialversichungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und
Ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors, insbesondere
im vorschulischen Bereich und Ausbau von Umschulungs- und
Qualifizierungsmaßnahmen.
Chancengleichheit
in der Bildung – Chancengleichheit durch Bildung
Die
Sozialdemokratie steht für ein Bildungssystem, dass nicht nur
chancengleich den Zugang zu Bildung ermöglicht, sondern durch
politische Maßnahmen die Chancengleichheit im Bildungssystem
erhöhen will. Dazu zählt vor allem der Anspruch,
bildungsferne Schichten wieder in das Bildungssystem zu integrieren
und die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu erhöhen.
Für
die SPD heißt das konkret:
-
Gebührenfreie Versorgung im Elementarbereich
als Ganztagesangebot.
-
Flächendeckendes und gebührenfreies
Angebot von Ganztagsschulen.
-
Längeres gemeinsames Lernen: Überwindung
des dreigliedrigen Schulsystems durch die Einführung der
Gemeinschaftsschule.
-
Gebührenfreiheit des Erststudiums und
Eintreten für ein angemessenes BaföG.
-
Weiterentwicklung des Übergangssystems –
qualifizierte Abschlüsse statt Warteschleifen.
Der
solidarische Staat
Das
sozialdemokratische Staatsverständnis gilt einem solidarischen
Sozialstaat, der die soziale Ungleichheit ausgleicht und den sozialen
Frieden und die Solidargemeinschaft sichert.
-
Entwicklung der Rente zu einer universalen
Sozialversicherung. Alle zahlen entsprechend ihrer
Leistungsfähigkeit ein, aus allen Einkommensarten und ohne
Beitragsbemessungsgrenze. Eine Mindestrente bei langjähriger
Beitragszahlung ist oberhalb des Niveaus der Grundsicherung garantiert
und es erfolgt eine Deckelung der Rentenhöhe. Zusätzlich gibt
es eine obligatorische Betriebsrente.
-
Die Rente mit 67 wird evaluiert und entsprechend
der Schlussfolgerungen angepasst.
-
Fortführung der Altersteilzeitregelung und
Einführung einer Altersgleitzeitregelung.
-
Entwicklung der Krankenversicherung /
Pflegeversicherung zu Bürgerversicherungen und Finanzierung eines
höheren Anteils aus Steuermitteln.
-
Zurücknahme der Zuzahlungen und
Praxisgebühren im Gesundheitswesen und Aussetzung des
Gesundheitsfonds.
- Anpassung
der Hartz lV-Regelsätze und Einführung eines für Kinder
eigenständigen Regelsatzes, Ausweitung der einmaligen Bedarfe,
deutliche Anhebung des Vermögensfreibetrages.
Steuern
sollen „steuern“
Die
SPD steht für ein Steuermodell, das schwache Einkommen entlastet
und lohnabhängiges Einkommen und Einkommen aus Vermögen
gleichermaßen nach Leistungsfähigkeit belasten will.
- Wiedereinführung der
Vermögenssteuer, weil bereits ein Vermögenssteuersatz von 1
Prozent zu Mehreinnahmen von 16 Milliarden Euro führen würde
(bei einem Freibetrag von 500.000 Euro), die für Investitionen in
Bildung und Kinderbetreuung verwendet werden sollen.
- Ausgestaltung der Erbschaftssteuer mit
dem Ziel eines Aufkommens von wenigstens 10 Mrd. Euro, bei hohen
Freibeträgen für Ehegatten und Kinder.
- Steuerwettbewerb begrenzen durch
Harmonisierung des Unternehmenssteuerrechts und Gewährleistung von
Mindeststeuersätzen auf europäischer Ebene, um die
Steuerzahlung internationaler Unternehmen zu sichern.
- Steueroasen trocken legen:
Verstärkte Bekämpfung von Steuerhinterziehung durch
personelle Verstärkung bei Betriebsprüfungen sowie
Steuerfahndung durch die Länder und Erhöhung des politischen
Drucks auf internationaler Ebene.
- Neujustierung der Progression bei der
Einkommenssteuer. Die unteren und mittleren Einkommen müssen
entlastet, höchste Einkommen stärker belastet werden.
- Wiedereinführung einer
Entfernungspauschale mit einer spürbaren sozialen Komponente.
- Neuorientierung des
Familienleistungsausgleichs zugunsten kinderbezogener Leistungen.
Beschluss:
Einstimmig ohne Enthaltung