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Anträge / Adressat : SPD Parteivorstand / SPD Fraktion im Bundestag

Resolution
        Porta Westfalica, 19.Februar 2010

„Wohlstand für alle“ betitelte Ludwig Erhard sein bekanntestes Buch. Erhard erklärt dort
wie und warum er die alte konservative soziale Struktur überwinden wolle.
 „Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne
Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits
durch eine quantitative sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft
gekennzeichnet.“

so beschreibt Erhard die gesellschaftlichen Zustände vor Gründung der Bundesrepublik.
Heute nähern wir uns wieder diesen alten Strukturen, eine kleine immer reicher werdende
Oberschicht und eine zunehmend breitere Unterschicht mit unzureichenden Bildungschancen.
Die wichtige Mittelschicht wird immer geringer. Dies gefährdet unsere Demokratie.
Wie ist es dazu gekommen? – Welche Gefährdung droht unserer Gesellschaft, wenn es
nicht gelingt, den Trend umzukehren?
Es begann damit, dass in den neunziger Jahren alle gesellschaftlichen Schichten und Einrichtungen
dem absoluten Prinzip der Ökonomisierung unterworfen wurden. Werte wie
Solidarität, Teilhabe aller am wachsenden Wohlstand wurden als vorgestrig verworfen. Die
starken Schultern wurden entlastet und die Lasten wurden immer weiter auf die Schwachen
verschoben. Das setzt sich heute weiter fort!
Mit der Agenda 2010 wurde dieses Prinzip von der SPD zum Programm erhoben. Hartz-
Gesetze und die Liberalisierung der Arbeitnehmerüberlassung führten direkt in die Verarmung
breiter Bevölkerungsschichten. Andererseits wurden steuerliche Erleichterungen für
Banken und Großkonzerne (Veräußerungsgewinne) und neue Geschäftsmodelle für Banken
und Versicherungen (Riester-Rente) geschaffen.
In der Folge sanken die Löhne und Renten. Stammbelegschaften wurden durch Leiharbeitnehmer
mit Niedrigstlöhnen ersetzt, Arbeitslose müssen jede Arbeit annehmen, sofern
die Löhne nicht sittenwidrig sind (weniger als ein Drittel des Tariflohnes). Erhöhung der
Arbeitszeit ohne Lohnausgleich für Beamte sowie Kürzung bzw. Streichung von Urlaubsund
Weihnachtsgeld (Finanzminister Steinbrück in NRW). Nullrunden für Rentner, Riesterund
Nachhaltigkeitsfaktor sowie zusätzliche Belastungen aus der Beitragszahlung (Betriebsrenten
und Pflegeversicherung) führten zur Verarmung der Rentnerhaushalte.
Was muss sich ändern?
  • Grundsicherung muss sofort dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden
  • Differenzierung nach Erwachsenen- und Kinder-/Jugendlichenbedarf
  • Keine Anrechnung von Alterssicherungsrücklagen
  • Mindestlohn in angemessener Höhe
  • Beschäftigungsmöglichkeiten im öffentlichen Sektor zum Mindestlohn (erspart Aufwendungen in der Grundsicherung)
  • Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ändern (1. Alternative: Überlassung im selben Betrieb maximal für 3 Monate; 2. Alternative: gleicher Lohn wie Stammbelegschaft plus 15 Prozentzulage für Flexibilität – wie in Frankreich)
  • Riesterfaktor für Renten ersatzlos streichen (Rentenabsenkung)
  • Rente mit 67 überprüfen



Ortsverein Lohfeld


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